Guilin, Kilometer 11.600
Nach einem kurzen & unerwartet ereignislosen Flug erreichen wir Guilin. Palmen säumen den Außenbereich des Flughafens & strahlender Sonnenschein empfängt uns, die Sonnenentwöhnten. In Shuttlebus geht die Reise in die Stadt, vorbei an den Reisfeldern und den bizarren Karstfelsen, die wie Kegel aus der ansonsten flachen Landschaft auftauchen. Wir überholen Motorräder, die mit Dutzenden lebender Hühner und Gänse beladen sind, einfach „drangeschnürt". Bereits von Peking etwas an eigentümliche Dinge gewöhnt nehmen wir dies einfach als lokale Gepflogenheit hin. Hier im Süden wird mangels Kühlschränken das Vieh bis unmittelbar vor dem Kochen lebendig gehalten, damit man sicher sein kann, dass das Fleisch nicht verdirbt. Hört sich heftig an, oder?
Wir steigen in einem preiswerten Hotel in der Nähe des Bahnhofes ab, erholen uns etwas und machen einen ersten abendlichen Stadtbummel. Diese Karstberge, die hier auch mitten aus der Stadt auftauchen, sind wirklich faszinierend, dazu das südliche Flair, die offenen dreirädrigen Taxi Motorräder und der Geruch der kleinen Garküchen am Rand der Fußgängerwege. Wir scheinen so ziemlich die einzigen Touristen zu sein. Überall werden wir freundlich angelächelt und beim Einkauf angesprochen, ob wir denn wüssten, was wir da so einkaufen. Zum Abendessen verschlägt es uns in ein für diesen Kanton typisches Restaurant. Gegessen wird aus einer Art kupfernen Wasserkocher, mit integrierten Kohlebecken & Grillvorrichtung. Es gibt Glasnudeln, Schinken, Schlangen und allerlei merkwürdiges Gemüse und Salat zum Garen im Wasser, Hähnchensticks zum Grillen und Dutzende von Dips, die untereinander vermischt werden. Ich muss schon sagen, die Bedienung hat sich vortrefflich gekümmert damit wir nicht verhungern. Und lecker war es auf jeden Fall! =)
Als eine der ältesten Touristengebiete Chinas - selbst die alten Kaiser waren schon hier - ist Guilin natürlich reich an Ausflugszielen. Nach einer ausgiebigen Wanderung durch die Stadt besichtigten wir den wunderschönen 7 Sterne Park mit seinen Höhlen & Felsen. Darin unter anderem ein Bonsaipark und Teiche mit riesigen Goldfischen, ein Zoo mit einem traurigen Pandabären und einem Tiger zum Anfassen, Draufsetzen & fotografiert werden (!!). Manche Dinge sind einfach fremdartig, oder? Wir klettern auf die Felsen und kontemplieren in den kleinen Holzpavillons auf deren Spitze - es ist einzigartig. Ein kleiner frecher Eisvogel spielt "Ich lass mich von Euch nicht fotografieren" mit uns. Danach besichtigen wir die 7 Sterne Höhle mit den Inschriften alter Poeten und Kaiser. Der Tag neigt sich schon dem Ende, als wir auf dem Rückweg durch Guilins prachtvolles Zentrum gehen, mitsamt seinen schillernden Einkaufstrassen & Chausseen und all dem Glanz, den man sich nur denken kann. Wir sind einigermaßen erstaunt, da wir von außerhalb des Zentrums eher ärmliche, beziehungsweise moderatere Kleidung und Preise gewohnt sind. Egal, hier gibt es nach all dem uns wirklich fremden Essen auch wieder bekannte Fast Food Ketten... Zwei riesige Holzpagoden stehen in einem See, farbig beleuchtet - umrahmt von einem kleinen und wunderschön illuminierten Park. Tags drauf besichtigen wir die Schilfrohrflötenhöhle und ein paar andere Sehenswürdigkeiten. Auffällig wird hier, wie stark touristisch erschlossen die Gegend doch ist, kaum ein schöner Platz in der Stadt, wo man nicht Eintritt zahlen muss. Sei es der Berg der Einzigartigen Schönheit, den wir am Ende von einer Müllkippe fotografieren, oder der Elefantenrüsselberg, direkt am Fluss Li, aber entsprechen abgesperrt. China und der staatlich organisierte Tourismus. Vergeblich versuchen wir, eine Bootsfahrt mit den Booten der Einheimischen zu bekommen & entscheiden uns, doch eine der teuren organisierten Li - Flusstouren in das über 80 Kilometer entfernte Yangshuo zu nehmen. Nachdem ich meinen Ärger über den Preis und den nicht vorhandenen Individualismus auf dem Boot verdaut habe (Bier hilft!), kann ich die Landschaft genießen, zusammen mit all den anderen fotografierenden Touristen, die sich auf dem Deck drängen, die Felsen, die hier eng an eng & leicht eingehüllt im Nebel stehen, bewundern. Am Rande des Flusses Fischer in ihren langen schmalen Holzbooten, Frauen, die Wäsche waschen im erdfarbenen Wasser des Li. Kinder, die winken. Eine verfallenen Klosteranlage. Reisfelder. Mittagessen.
Ankunft in Yangshuo. Wir werden am Pier erwartet von einer Anzahl Souvenirverkäufer & Hotelangestellter. Yangshuo ist ein kleiner malerischer Ort inmitten dieser einzigartigen Landschaft, und vermutlich gerade deswegen ein Sammel- & Treffpunkt geworden für "normale" Touristen & Aussteiger aus der westlichen Welt, die hier teils Englisch unterrichten, Klettertouren veranstalten oder sich sonst irgendwie durch das Leben schlagen. In den Strassen drängen sich Hotels, Restaurants & Jugendherbergen aneinander, dazu gibt es Fahrräder zum Ausleihen in Hülle und Fülle, nebst all den Garküchen, Malereishops und anderen Souvenirläden. Hier wird nun auch wieder fließend Englisch gesprochen.
Wenn ich eingangs das tropisch anmutende Wetter erwähnte, so muss ich doch sagen, das 15°C bei der hohen Luftfeuchtigkeit am Fluss doch schnell kühl werden können. Die als Heizung fungierende Klimaanlage an der Decke unseres Zimmer brachte aufgrund ihrer Einbauposition auch nur Wärme oberhalb der Kopfhöhe. Ein Wermutstropfen im ansonsten paradiesischen Yangshuo, der uns nicht richtig warm werden lies. Schwamm drüber.
Mit John und Judy, Angestellten unseres Hotels, feiern wir Chinesisches Neujahr, starten Feuerwerkskörper am Fluss, trinken Grünen Tee und wärmen uns am Kohlebecken im Hotelfoyer. Am nächsten Morgen werden wir von lauten Trommeln geweckt. Aus dem Fenster sehen wir zwei riesige, bunt geschmückte Papierdrachen, jeweils getragen von einer Gruppe Männern, die miteinander tanzen oder kämpfen. Begleitet von einer Gruppe Trommlern und einer Anzahl von Chinesen machen sich der Trupp auf den Weg zum Rathaus, um in akrobatischen Pyramiden Geschenke vom Ortsoberhaupt entgegenzunehmen, aus dem zweiten Stock.
Durch das Städtchen bummelnd, finden wir noch weitere "Drachen" und Gefolgschaft. Wir finden eine Open Air Theatervorstellung und haben keine Probleme, diese über die Köpfe der Chinesen mitzuverfolgen. =) Waren es zu unsere Ankunft in Yangshuo noch sehr viele europäische bzw. amerikanische Touristen, so sind es nun meist Chinesen, die zum Neujahresfest nach Yangshuo kamen. Für viele von ihnen sind wir die erste Begegnung mit Nichtasiaten, so werden wir gelegentlich gefragt, ob wir uns für Fotos mit ihnen zur Verfügung stellen würden. =)
Bei einer Wanderung außerhalb Yangshuos treffen wir Jade, eine Chinesin auf Urlaub. Wir wandern mit ihr ein Stückweit bis ins nächste Dorf & erfahren sehr viel über das Hinterland Chinas, abseits der Touristenpfade - wo die Menschen noch in Holzhütten leben und alle Kräuter kennen, wo es weder Strom gibt noch Geld verdient wird. Unglaublich, aber wahr, wie wir später sehen sollten.
An dieser Stelle möchte ich das lokale Bier Liquan ans herz legen. es ist billig, kommt aus Guilin (angeblich gibt es auch deutsche Ingeneure dort!!) und macht herrlich besoffen. Ebenso interessant ist auch der schwere Kopf am nächsten Tag. Soviel dazu. =)
Nach ein paar weiteren Tagen in Guilin ist es an der Zeit, weiterzureisen - Richtung Kunming, der letzen großen Stadt Chinas auf dem Wege nach Laos, welches wir aufgrund unserer Visalimits nun bald erreichen müssen. Wir bekommen Zugtickets & treffen am Bahnhof auch gleich ein paar Iren, ein lustiger Trupp mit mehreren Litern Liquan auf dem Weg nach Dali, in der Nähe von Kunming. So vergehen 24 Stunden Zugfahrt wie im Fluge, vorbei an wunderschönen Landschaften - Gebirgen, Wäldern und Seen, und immer und immer wieder Reisfeldern, die von vielen fleißigen Händen bearbeitet werden.