Kunming, Kilometer 12600

Hier wird nun alles komisch. Wir irren stundenlang auf der Suche nach dem Busbahnhof umher, finden anfangs den falschen und haben zudem noch allerhand Mühe, die Reiseschecks zu tauschen. Keine Seele scheint hier mehr des Englischen mächtig zu sein. Und wo wir hinwollen, dass scheint auch niemand zu verstehen. Wir zeigen es in unserer Landkarte (mit unserem Alphabet) und ernten verständnisloses Schulterzucken. Irgendwann, nach allerhand Diskutieren mit "Reisebüros" bringt uns eine alte Frau zum richtigen Busbahnhof, und dort wird uns weitergeholfen. Wir werden an einen marode aussehenden, bereits schief stehenden alten Bus gebracht, in welchem 30 Pritschen montiert wurden (wir hatten einen "Sleeper" gebucht). Damit sollten wir nun über 30 Stunden unterwegs sein, nach Mengla (alias Mongla) an der Grenze zu Laos. Mahlzeit!
Schließlich meinte es das Schicksal doch noch gut mit uns und sandte zwei Europäer, Yarik und Janita, die beide in Shanghai Chinesisch studieren und auch auf dem Wege nach Laos sind, ja sogar nach Koh Phangan wollen. Somit waren wir nicht ganz hoffnungslos verloren zwischen all den Chinesen. Wir machen es uns am Ende des Busses bequem, wo wir jeweils fünf "Pritschen" für uns haben.
Auf geht die Reise, im ächzenden und quietschenden Bus, anfangs noch über gute Schnellstrassen, aber sehr schnell ändert sich das Bild & wir fahren tiefer und tiefer über immer schlechter werdende "Feldwege" in den Dschungel. Rechts die Felsen rauf, links steil runter. Riesige LKWs kommen uns entgegen. Hmm. Gelegentlich ein Stop, für die Leibesnotdurften, zum Essen oder um weitere Passagiere aufzunehmen, in winzigen Orten an der Strasse. Es wird dunkel. Gut so, das sehen wir wenigstens nicht mehr, wo wir so rumkurven. Die Schlaglöcher in der Strasse machen uns allemal jeweils mit dem Kopf oder dem ganzen Körper am darüberliegenden Bett anschlagen und hart wieder aufkommen. Schlaf? Vergiss es! Ich denke an die schiefe Hinterachse des Busses, an die Familie zuhause und wie gerne ich doch noch Familie gehabt hätte... ;-)
Morgengrauen, neue Hoffnung. Wir haben überlebt, und mit uns dieser Bus. Wir stoppen in einer etwas größeren Stadt. Hier endet nun die "Gemütlichkeit", der Luxus der fünf Betten pro Pärchen am Ende des Busses. Wir bekommen einen Chinesen mit zerlumpten Armeekleidern, seine Frau und ihr Kleinkind als Bettnachbarn. Naja, wie in China üblich, macht der Kleine sein Geschäft, wo er gerade ist, im Bus, auf eben der Rücksitzbank. Mama fängt das Feste mit einem Taschentuch auf & wirft es dann aus dem Fenster. Papa raucht derweil eine. Na, wenn es mehr nicht ist!
Am frühen Abend kommen wir in Mongla an, es sind immer noch zirka drei Stunden bis an das Grenzdorf. Also, nach allerhand Feilschen steigen wir zusammen mit Yarik & Janita rein in den Minivan (inklusive Gepäck Und Co Pilot) und auf geht die Reise. Hier sind wir nun wirklich im unterentwickelten Teil Chinas, wo kleine Siedlungen mit Holzhütten auf Pfählen, Reisfelder und Wasserbüffel das Bild dominieren. Malerisch eben, ganz so, wie ich es mir immer vorgestellt habe.
Wir sind K.O. als wir ankommen, werden an einer schlammigen Strasse bei einer Art Herberge rausgelassen, wo die Übernachtung im Doppelbettzimmer nur etwa einen € kostet. Dafür bleibt denn auch die Dusche kalt & naja, vergessen wir die Hygiene einfach. Eine große gebrauchte Pfeife steht noch rum. Dazu gibt es noch ein Abendessen sowie Haarschnitt mit Kopfmassage für jeweils einen weiteren €. Tadellos - das haben wir gebraucht nach den Strapazen der letzten zwei Tage!