Laos

Beizeiten sind wir aus den klammen Federn, im strömenden Regen und mit Mülltüten an den Füssen überqueren wir die schlammige Grenze nach Laos. Good bye China!
Frühstück in Boten, dem ersten Dörfchen in Laos, nachdem wir den Bankier geweckt haben, um ein paar Yen in einen Bündel KIP einzutauschen (1€ = 10.000 KIP, größter Schein ist 10.000 KIP) - es gibt eine große Portion Gemüsereis für uns alle, Preis 5000 KIP. Der Bus, der uns von Boten nach Udom Xai bringt, ist noch langsamer als der in China, die Strassen noch maroder & enger. Dafür gibt es fast keinen Verkehr hier. Der Bus fährt auch nicht nach Fahrplan, sondern nach Bedarf, so scheint uns. Wir halten alle paar Siedlungen, um noch ein paar Verstreute mitzunehmen. Ein buntes Volk, hier oben in der Vergessenheit des Dschungels, der Berge. Meist nicht elektrifiziert, und im Gegensatz zu China sieht man nicht so viele Reisfelder und ebenso wenig Menschen darauf arbeiten. Sie hocken unter ihren Hütten, in der Familiengemeinschaft: Wu Wei, die Kunst des Nichtstuns. Lächeln auf den Gesichtern.
Wir erreichen Udom Xai am Nachmittag, finden eine preiswerte Bleibe für die Nacht und erkunden das Städtchen. Anfänge von Tourismus sind hier gemacht, es gibt ein Internetcafe & zwei, drei Klettertouren - Anbieter. Einige Anschläge am Busbahnhof sind auch in Englisch gemacht. Ein Klasse Essen, ein Rundgang durch die Passagen des Marktes. Alles wirkt klein und gedrückt hier, außer die buddhistische vergoldete Stupa auf dem Hügel inmitten Udom Xais. Auch dort wandern wir hin. Erholen uns ausgestreckt im "heiligen Gras" in der Abendsonne von all den durchgeschüttelten Kilometern.
Am Morgen dann bei Zeiten nehmen wir den ersten Bus nach Luang Prabang, haben gerade noch die Mönche gesehen, die den Tag geheiligt & dafür ihre Reisspenden von den Händlern & Ladenbesitzern am Busbahnhof erhalten haben. Der Dampf steigt auf aus den Tälern des Dschungels, als wir durch die Berge zuckeln. Noch ist alles unberührt, jungfräulich. Etwas in mir schreit laut "Verweile, Geist, Du bist so schön!" als wir inmitten der Wildnis Rast machen.
Später dann nimmt der Verkehr zu, und immer häufiger werden Strommasten an der Strasse und Fernseher in den Hütten der Dörfchen. Große kahle Flecken an den Berghängen. Wir kommen wieder zurück in die Zivilisation.
In Luang Prabang holt sie uns endgültig wieder ein, in Form von Massentourismus, Reisebussen & Speisekarten in $ und € anstatt in KIP. Dafür gibt es nun auch wieder richtig englischen Service. Malerisch jedoch der große Mekong, der so ruhig dahin strömt. Wir bleiben eine Weile sitzen, schauen uns noch ein paar der über hundert Tempel an. Auffällig sind die meist sehr jungen Mönche, wie schon in der Mongolei. Muss wohl an den Kommunisten liegen, die bis vor wenigen Jahren jedwede Religion in diesen Gebieten schlicht verboten hatten.
Wir bleiben gerade über Nacht verschwinden am nächsten Tag Richtung Vangvieng, einem kleinen Dorf zwischen Luang Prabang und Vientiane, der Hauptstadt - wo wir uns ein paar Tage Ruhe und Erholung gönnen. Alle Arten von Tourismus kann man hier haben, wandern in den Bergen, Höhlen besichtigen oder den Fluss runterraften, im Traktorsreifen oder im Kajak. Wir wandern nur etwas umher und besichtigen eben auch eine dieser Höhlen, mit Taschenlampe. Beschaulich. Idyllisch. Ich treffe Ex - Topmanager, gefallen in den Zeiten der Rezension - glücklich tratschend am Fluss. Vorbei sind Hektik & Leistungsdruck, für jetzt. Caipi Mekong für 80 Cent. Das Paradies? =)
In Vientiane kümmern wir uns um das Visum für Thailand. In der Botschaft sitzt ein etwa 35 jähriger deutscher Mönch in orangem Gewand, der sich mit seinem kleinen Laos Freund und ebenfalls Mönch in recht gebrochenem Englisch unterhält. Wir sehen uns ein paar weitere Tempel an oder wandern einfach durch die Strassen. Eine schöne Bar am Fluss, eine Gruppe Lao beim Aerobic. Laute Mopeds überall. Die Preise sind, verglichen mit Udom Xai oder Vangvieng recht hoch, es wird schon oft anstatt der Landeswährung die Thai - Währung Baht erwartet. Oder eben Dollars...
Wir leihen uns ein Moped aus, einen dieser Roller, auf die ich mich in Deutschland nie gesetzt hätte. Ich, der ehemalige Biker (1200'er XJR). Aber der Gaudi ist groß und wir haben eine schöne Ausfahrt zu dem, was die Touristen Buddha Park nennen - eine Ansammlung von diversen Buddha & Shiva Statuen aus der Vergangenheit, halbverwittert, halbverwahrlost. Eine riesiges kugelartiges Bauwerk, ca. 6 Meter hoch mit einem aufgesperrten Rachen als Eingang, drei Etagen mit weiterer Kugel im Inneren, dort aufsteigend sinnbildlich von der Hölle zum Himmel, von dunklen Totenkopfkeller mit mächtig vielen Spinnweben zu den Erleuchteten im dritten Stock. Aussichtsplattform über den Buddhapark von der Kuppe des Bauwerkes. Ausblick auf Shiva, die riesige, imposante achtarmige Göttin vor der Kugel. Der Eintritt auch hier ein Schleuderpreis, und gegen Mittag Unmengen von Touristen, die auf den Statuen rumklettern...