Eisenach - Moskau - Ulan Bator

Aufbruch am 12.1. um 10 vom Eisenacher Bahnhof. Wir fahren nach Berlin, um dort am späten Nachmittag den Zug nach Moskau zu besteigen. Dass ist der erste Spaß, weder das Zugpersonal noch sonst jemand spricht Deutsch oder Englisch. Naja - bis zur weißrussischen Grenze kein Problem. Das Abteil ist merkwürdig, drei Betten übereinander und davor kaum Platz für die Beine... Mit Händen und Füßen erfahren wir von Kolja, unserem Abteilkameraden allerhand über Russland heutzutage. Nach Mitternacht, der Zoll an der weißrussischen Grenze unterschreibt die Devisendeklaration nicht. Das kann Ärger bedeuten, bei der Ausreise aus Russland später. Für alle Nachahmer - aufgepasst!!

Moskau, Kilometer 2000

Wir kommen am darauffolgenden Tag abends in Moskau an, werden von Eugene am Bahnhof abgeholt & im Lada zu unserer "Gastmutter" gebracht. Alles reibungslos. Schön!
Es ist relativ warm in Moskau, gerade 5 Grad unter null. So erkunden wir das Stadtzentrum zu Fuß, den Roten Platz, die Basiliuskathedrale, das Gym Kaufhaus. Der Kreml und die Waffenkammer des Zaren sind mit zirka 10 $ Eintritt recht teuer, aber echt imposant. Selten gesehener Prunk, danach kann ich weder Gold noch Diamanten mehr sehen ;-) Sehr schön auch, die Moskwa - der Fluss durch die Stadt. Wohlgemerkt, das Moskauer Zentrum steht anderen europäischen Metropolen in nichts nach, das trifft nicht zuletzt auf die Preise zu. Allerdings ist die Kommunikation recht mühsam, nur die richtig teuren Orte offerieren englischsprachigen Service. Allerdings scheint es ebenso ein sicherer Ort für Touristen zu sein, da Polizei viel präsent ist & auch tatkräftig kontrolliert, wer sich da an den Attraktionen aufhält. Noch eines am Rande - so schön es auch sein mag, kaum andere Touristen um sich zu haben, besser ist es wohl doch, Moskau in Frühjahr zu besuchen, da macht das Erkunden einfach mehr Spaß. =)
Am Abend des 15. bringt uns Eugene zum Jaroslaw Bahnhof. Von dort soll dann unser Zug nach Ulan Bator gehen. Wir haben noch etwas Zeit, also besorgen wir uns noch ein paar Kleinigkeiten und warten dann draußen, recht orientierungslos, zugegebenermaßen. Und somit lies es auch nicht lange auf sich warten, da war das erste Gepäckstück, eine Umhängetasche mit der neuen Digitalkamera, den Wörterbüchern und nicht zuletzt dem "Per Anhalter durch die Galaxis" Band verschwunden, in Bruchteilen von Sekunden. Der Ärger groß, doch Hilfe weit und breit nicht in Sicht & Kommunikation sowieso nicht möglich. Also, rein in den Zug, Abteil suchen - was in dem Gedränge der Mongolen, die ihrerseits mit riesigen Packtaschen durch den Zug marschieren - auch nicht so einfach ist. Willkommen in Asien! Nach geraumer Zeit finden wir das Abteil & sind erst einmal groggy. Zwei Mongolinnen sind mit uns hier drin, & natürlich sprechen sie auch keine der uns geläufigen Sprachen. Sie haben große Flaschen russischen Whiskeys mit, die sie uns verkaufen wollen. Mit Händen und Füßen stellen wir uns vor. Es ist schon irre, ständig kommt & geht jemand in diesem Abteil, Sachen werden aus - und wieder eingeräumt. Am nächsten Morgen gelingt es uns, für 45$ pro Nase zum 1. Klasse Abteil umzusteigen. Ein Hoch auf die korrupten Zugbegleiter! =) Also, wieder Sachen zusammenpacken & nochmals durch die engen Gänge der Transib, vorbei an den immer noch umherziehenden mongolischen Händlern. Dafür haben wir den Rest der Reise sehr angenehm, ein Abteil für uns allein.
Vorbei an den Birkenwäldern, den kleinen Dörfchen mit Holzhäusern wie aus den Hexe Babajaga Märchen. Überall ist Schnee. Endlose Weite der Taiga. Aber auch offensichtliche Rodungen, da man durch die paar Reihen stehengelassener Bäume auf oft kahle Flächen blicken kann... Jekaterinenburg, Omsk, Novosibirsk - der Zug hält alle paar Stunden an, & unsere Mongolen verkaufen auf den Bahnsteigen Pelze, Jacken, Tschapkas, Pullover und Kleider an die bereits wartenden Russen. Was für ein Schauspiel, in der klirrenden Kälte Sibiriens! Doch was für uns lustig ist, ist für die Mongolen bitterer Ernst. Einmal, in Ulan Ude stehen sich rivalisierende Banden am Bahnhof gegenüber, es kommt sogar zum Handgemenge. Jemand wollte wohl nicht, das hier verkauft wird...Wir selbst decken uns bei diesen Gelegenheiten mit Vorräten ein - Essen, Bier, Zigaretten. Mittags gibt es meist Soljanka, abends spiele ich Schach mit den Mongolen im Restaurant oder unterhalte mich mit dem Koch mit den schwarzen & halboffenen Händen. Nasdarowje! Ab und an treffen wir auf Englisch sprechende Mitreisende, etwa Wadim, ein Russe auf dem Weg zu einem großen Konzert in Wladiwostok, mongolische Studentinnen auf der Heimreise oder die russische Frauenärztin, die seit Jahren in Ulan Bator lebt.
Als wir am Morgen des vierten Transib - Tages mit leichten CO Vergiftungserscheinungen & halberfroren erwachen (die Heizung unseres Waggons scheint kaputt zu sein), werden wir mit dem majestätischen Anblick des Baikalsees im Sonnenaufgang entschädigt. Riesig, zugefroren, winzige Figuren sind zu sehen - Fischer, die im Eis angeln sowie deren Hütten am Rande. Baikal, Mutter Natur auf Mongolisch. Man kann sich der gewissen Romantik nicht entziehen... Wir schreiben Kilometer 7600 unserer Transib - Reise. Am Abend erreichen wir die Grenze zur Mongolei & mit Hilfe eines Russen, den wir gerade kennengelernt haben & eines freundlichen Zollbeamten passiert uns nichts, da uns doch die abgestempelten Zolldokumente fehlten.

Ulan Bator, Kilometer 8300

Am darauffolgenden Tag erreichen wir Ulan Bator um 8 Uhr morgens - es ist so kalt, das mir die Bartstoppeln sofort gefrieren!
Noch einmal werden wir abgeholt & zur Gastfamilie gebracht, wo uns Frau Galia einen herzlichen Empfang mit Frühstück bereitete und dieweil auch gleich die wichtigsten Direktiven für Ulan Bator mit auf den Weg gab. Sehr hilfreich - danke!
Nach dieser Stärkung machten wir uns auch gleich auf den Weg, die Hauptstadt der Mongolei zu erkunden. Zur Stadt selbst - die Eleganz einer sozialistisch geprägten Architektur prägt das Stadtbild, plus ein paar richtig moderne Gebäuden und ein paar Reliquien aus der Zeit der Khans bzw. buddhistische Klöster. Etwas abseits wiederum stehen Jurtensiedlungen, die typisch mongolischen Filzzelte aus der Zeit Dschingis Khans. Man sieht die Mongolen größtenteils westlich gekleidet, manchmal aber auch Atamane in traditioneller Kleidung. Wir selbst waren eingemummelt in unsere "Low budget" Thermoanziehsachen, um den - 25�C wenigstens ein bisschen etwas entgegenzusetzen. Doch hoffnungslos, da die Schuhe nicht atmungsaktiv waren, sind uns die Füße schon nach kurzer Zeit erfroren, durchgeschwitzt bilden sich nun mal Kältebrücken... Da macht das Besichtigen der Klöster & Paläste (allesamt unbeheizte Holzbauwerke, eher ebenerdig) doch richtig Spaß. Auf dem Rückweg erfuhren wir dann, was Smog bedeutet, in einer Stadt, die fast ausschließlich mit Kohle heizt... Abends gab es dann Pelmeni, Salat & Tee bei Frau Gaja. Tags drauf nochmals das gleiche Spiel, Stadtbesichtigung mit Erfrierungserscheinungen, die nur mit Bieren in einem deutschen Restaurant auskuriert werden konnten. Der Tribut an den Winter...
Am Tage vor unsere Abreise nach China fuhren wir mit Frau Gajas Sohn noch ins Terelin Gebiet, auch Mongolische Schweiz genannt. Im Sommer ein Touristengebiet, im Winter - tja, nix los, außer beschauliche Wälder & Felsen. Trotz alledem, wir erfuhren viel über die traditionelle Mongolei sowie auch über die aktuelle Situation, wie etwa die Unterwanderung durch Mormonen oder gerade gefundene Erdölvorkommen. Es lebe der Fortschritt.
Nach dem Naturkundemuseum mit Dino-Skeletten gab es zum Abschluss noch die traditionelle, vergorene Stutenmilch, Airag bei Frau Gaja, sowie einen Exkurs ins Naturkundemuseum ihres Mannes, der seinerseits die tollsten Dino-Eier und versteinerten Pflanzen aus der Gobi mitgebracht hatte. Doch dann war es schon an der Zeit, Abschied zu nehmen von der Mongolei & Frau Gajas Gastfreundlichkeit. Bleibt zu erwähnen, dass Internet Cafes sehr preiswert sind & leicht zu finden sind, ebenso wie Englisch innerhalb Ulan Bators weit verbreitet ist - im Gegensatz zu Russland. Am Morgen dann ging die Tour weiter, stundenlang durch die Wüste Gobi, wo weder Schnee noch Pflanzen zu sehen waren, allerdings hin und wieder Jurtensiedlungen oder auch mal ein Tier, eine Rehart oder Pferde oder Kamele. Mit uns im Abteil ein holländisches Paar, Erik und Tracey, die ebenfalls auf dem Weg nach China bzw. Südostasien sind und gerade den langen Weg mir der Transsib von Moskau kamen. Beinahe vergas ich den Teil des Mongolischen Staatszirkuses, der die menschliche Pyramiden baut. Wahrhaft verwegen aussehende Kerle!

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In China halten wir bei schönstem Sonnenschein irgendwo an der Chinesischen Mauer, in einem kleinen Tal. Impossant wie die Mauer die steilen Berge erklimmt! Zwei Chinesen aus dem Nachbarabteil laden Erik und mich auf deutsches und holländisches Bier ein und bringen uns noch schnell ein paar Worte Chinesisch bei. =)