Arthur Rimbaud

Was soll uns das, mein Herz...

Was soll uns das, mein Herz, die Lachen Blut,
Das Wutgeschrei, die tausend Morde, Wimmern
Aus Höllen, jede Ordnung stürzend, Glut
Und Feuersbrunst, der Nordwind noch auf Trümmern,

Was alle Rache? Nichts!... - Und dennoch, ja
Sie steht zu uns! Hinweg Justiz, Senate,
Macht, Fürsten, Industrie, Geschichte, ah,
Verreckt! Blut! Blut! In goldener Kaskade!

Der Rache ist alles, dem Entsetzen, Krieg -
Mein Geist Kehren wir doch den Biss um; wider
Die Kaiser, wider jede Republik
Der Welt! Kolonnen, Truppen, Völker nieder!

Wer, wenn nicht wir und die uns Brüder sind,
soll Wirbel toller Feuersbrunst entfachen?
Auf, Freunde schwärmerisch! Oh Glutenwind,
Niemals mehr Arbeit: das wird Freude machen!

Amerika, Europa, Asien, Schluß!
Das Land gewalzt von unserm Rachewahne,
Die Städte tot! - Wir selbst zermalmt! Es muß
das Meer hinab ... Es bersten die Vulkane!

Oh Freunde! Fremde Schwarze - Brüder, ja,
Mein Herz, sie sinds - brechen wir auf! Attacke!
Doch Unheil! Zittern faßt mich, der euch nah!
Die alte Erde fällt um mich in Schlacke,

Nein, nichts! Hier bin ich! Bin noch immer hier!

zum Autor:

Arthur Rimbaud (1854-1891), Sohn einer Offizierswitwe, wuchs in einer Kleinstadt in Frankreich auf. Die Enge und Kleinbürgelichkeit lies ihn sehr früh die Ferne suchen, er reiste nach Paris, wurde dort wegen Verdachts auf Spionage festgenommen, wieder freigelassen und war seither nicht mehr zu bremsen. Sein Lebensziel beschrieb er treffend mit den Worten:'Changer la vie', das Leben zu ändern, was für ihn selbst auch eine Reformation der damaligen Kunst/Literatur bedeutete. Rimbauds Gedichte wurden, mit wenigen Ausnahmen, erst nach seinem Ableben veröffentlicht, obwohl er sich bei einflussreichen Pariser Künstlerkreisen sehr um Publikationen bemühte. Diese wiederum waren nicht besonders von Rimbauds unverblümten Äußerungen angetan bzw. beneideten das junge Genie. Weiterhin außergöhnlich für einen Dichter der damaligen Zeit war seine glühende Begeisterung für die Kommunarden, welche für ihn der Inbegriff der Änderung der Gesellschaftbedeuteten. Die Erfahrungen mit den Kommunarden zieht sich mehr oder minder versteckt durch die meisten seiner Gedichte. Sein literarisches Werk schrieb er im Alter zwischen 15 und 19 Jahren, danach arbeitete er im Kolonialwarenhandel in Afrika. In dieser Zeit schrieb er kein einziges Gedicht mehr.

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